(2010/2011)










DIGITALE KAFFEEMASCHINE / PROTOTYP
LASERSINTER-VERFAHREN / 30 cm x 30 cm x 30 cm
Ich hatte einen Traum. Und irgendwie glaube ich, dass er noch real werden kann. Es war 2010. Es begann in der Küche und es fehlte an Musik. Ich schaute mich um und sah meine alte Espressomaschine: Warum nicht eine Kaffeemaschine entwerfen, mit einer funktionalen Schlichtheit, einem Design à la Apple und der technischen Einbindung in die „mobile“, „wireless“ und „streaming“ Welt?
Tage später, ich saß in der Deutschen Bahn irgendwo zwischen Aachen und Düsseldorf, erinnerte ich mich an meine Stereoanlage von acapella (KQD), die ich vor langer Zeit einmal vorübergehend mein Eigen nannte: Komplett aus Aluminium - Sandguss! Selbst die Fernbedienung ein Kunstwerk. Und ich hatte eine Kugel vor Augen, begann mit ersten Skizzen, holte mir Ytong und Gips aus dem Baumarkt und begann zu modellieren.

Ich kaufte mir CAD Software und arbeitete mich in die Materie ein. Es ging voran.

Das Netz durchsuchte ich nach notwendigen Bauteilen, kaufte hier und kaufte da. Und ich suchte und fand Peter. An unseren ersten Termin kann ich mich noch gut erinnern. Meine CAD-Daten hatte ich auf einem Stick dabei, zeigte sie ihm und er sagte: „Das drucke ich Ihnen.“
"Drucken? Auf DIN A0 oder was?" Es war 2010 und ich hatte bis dahin noch nichts vom 3D-Druck gehört. Und ich hätte schon gar nicht damit gerechnet, dass das mit meinen laienhaften Daten möglich sei. Ein paar Tage später hielt ich die orangenen und blauen Teile in den Händen und begann sie zusammenzusetzen, bohrte, fräste, lötete und verbaute dazu die Nespresso-Technologie aus einer Maschine, die ich gekauft hatte. Ich war begeistert, denn es fügte sich zusammen.

Ich wühlte im Netz, verbrachte dort Stunden, telefonierte und bekam einen ersten Termin bei WIK in Essen, einem OEM unter anderem für Kaffeemaschinen. Begeistert erzählte ich von meiner Idee, hatte den Prototypen in einem Karton dabei. Wir gingen auseinander, ohne einmal in den Karton gesehen zu haben: "Heute geht alles über USB. Kommen Sie wieder, wenn Sie dafür eine Lösung haben". Und ich dachte mir: "USB? Ich habe hier Bluetooth und WiFi, Sie können Musik streamen und telefonieren, wie im Auto. Was braucht es da USB?". Ich zog enttäuscht und vor allem recht desillusioniert von dannen.
Peter wurde zu meinem Begleiter. Er stärkte mich, er forderte mich, er unterstütze mein Vorhaben und entwickelte das Gehäuse bis zur Kleinserienfertigung. Er machte gar einen Aluminiumguss. Wir nahmen fortan Termine gemeinsam war. Am Design und der Schlichtheit feilte ich weiter: Glatte und einfach zu reinigende Oberflächen, rückseitiger Wassertank mit verdecktem Sammelbehälter für die Kapseln, magnetisch befestigte Tropfenauffangschale vorne, ...
Es folgten weitere Gespräche: Zunächst waren wir bei Eugster/Frismag in der Schweiz. Einer der Größten, die auch Nespresso- oder Miele-Maschinen fertigen: „Die ist zu groß. Bei den Quadratmeterpreisen in der Schweiz haben die Leute kleine Küchen!“, erinnere ich mich Arthur Eugster sagen. „Und wo wollen Sie die bei Saturn platzieren? Bei den Kaffeemaschinen oder den Musikanlagen?“. Und ich fragte: "Und wo hätten Sie die ersten Tablets platziert?"
Im Jahr 2012 schrieb das „Norddeutsches Handwerk“ über uns und es folgte ein interessanter Workshop mit dem Innovations- und Strategiebereich von CapGemini in Utrecht. Es entstand die Bedienungsanleitung, ein Konzept für die Verpackung und Produktpräsentation. Das Auspackerlebnis von Apple war immer noch prägend. Es sollte alles zusammen passen, aus einem Guss sein. Wertig.
Die Einbindung in die digitale Welt wurde weiter konzipiert: Sensoren erkennen die Farbe der Kapsel und damit den geschmacksspezifischen Verbrauch. Über eine App kann die Maschine nicht nur bedient und mit ihr interagiert werden, sondern die Integration in die Nespresso-Welt ist möglich. Da geht was!
Ich kreierte einen Namen. Soundpresso. Es entwickelte sich ein Logo. Die Marke ließ ich dann eintragen. Geschmacksmuster? Patente? Ich war überfordert, wusste keinen Rat. Es reichte.
2014 fuhren wir nach Triest. Nach 14 sportlichen Stunden kamen wir gegen 22 Uhr in der Altstadt an. Es war ein wunderschöner lauer Abend, in der Bar spielte eine Combo "Message in a bottle". Tags drauf saßen wir bei der Produktentwicklung von Illy, dem Espresso- und Kaffeeproduzenten. Aber schlussendlich: “Außer Spesen nichts gewesen.“
Natürlich bin ich für „die“ ein Niemand. Vielleicht darf es nicht sein, dass jemand von „Außen“ Produktideen oder Design einbringt. Vielleicht taugt die Idee auch einfach nicht. Oder aber: Vielleicht war die Zeit auch einfach noch nicht reif.